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Bikepacking am Reset Brevet mit Izzie Thompson

So packst du für eine richtig grosse Bikepacking-Tour durch Central Otago: die Pickles-Edition

Zwei Beine. Zwei Räder. Ein Biwaksack, ohne Bügel. Eine kleine Flasche Sonnencreme fürs Wohlbefinden, ein Zipperbeutel voll Essiggurken und jede Menge Biss, Durchhaltewillen und Schoggimilch. Für Izzie Thompson hiess es beim Bikepacking am Reset Brevet quer durch Central Otago im Februar: nur das Nötigste. Klar, Merino war mit dabei.

Falls dir das Reset Brevet nichts sagt: Das ist ein unsupported Bike-Rennen durch Central Otago über 550 km und 9’300 Höhenmeter. Das Ziel? Von hier nach dort und wieder zurück hierher – so schnell wie möglich. Und wenn du alles selber mitschleppst, heisst das: so leicht packen wie irgend möglich. Hart, fordernd und ein echter Härtetest – für Athletin und Ausrüstung gleichermassen. 

Und falls dir Izzie T nichts sagt? Sie ist in Wānaka zuhause und macht gefühlt einfach alles. Bikepackerin, Wanderin, Rezepttüftlerin, begeisterte Esserin, Pickle-Profi, Sammlerin, Poetin, chronische Trailrunnerin, Texterin, Skifahrerin, Surferin – und einfach rundum ein guter Mensch. Ach ja, Vollzeit arbeitet sie auch noch in der Architektur. Langweilig wird’s ihr sicher nicht.

Die Wahrheit ist: Es gibt nicht viele Leute, die mehr in einen Wochenendausflug packen oder dich schneller an deinem Zeitmanagement zweifeln lassen als Izzie T. Aber das Reset Brevet war selbst für sie eine Ansage – eine Herausforderung, bei der es darum ging, ihr Limit zu finden. Klar haben wir sie von Kopf bis Fuss in Merino-Bekleidung fürs Biken gesteckt, ihr einen Klaps auf den Rücken gegeben und danach mit ihr gequatscht, um alles darüber zu hören.

 

Hoi Izzie! Magst du dich kurz vorstellen und uns etwas über die Tour erzählen?

Hey, ich bin Izzie und ich bin gerade das Reset Brevet gefahren. Das ist ein unsupported Bike-Rennen durch Central Otago. Es ist 550 km lang, hat 9’000 Höhenmeter und ich habe vier Tage gebraucht, um es zu finishen.

Was hat dich gereizt, das Reset Brevet zu fahren?

Ich habe das Reset gemacht, weil … ich wohl mein Limit suche. Ich habe schon vorher Bikepacking gemacht, aber eher gemütlichere Trips. Wobei – nach dem Massstab anderer Leute vielleicht nicht so gemütlich, haha. Aber auf jeden Fall deutlich entspannter als dieses Rennen. Ich habe noch nie etwas gemacht, das pro Tag so komprimiert war – was Kilometer, Höhenmeter und das Tempo von A nach B angeht.

Izzie Thompson film picture from the Reset Brevet

Hattest du irgendwelche Komfort-Items dabei?

Eigentlich nicht wirklich, glaube ich – abgesehen von meiner Analogkamera. Die ist zwar etwas sperrig, wiegt aber fast nichts. Sie ist ziemlich leicht, und ich nehme sie überallhin mit, egal bei welchen Bedingungen oder was ich gerade vorhabe. Und dann noch ein paar Kleinigkeiten … ich hatte eine kleine Flasche Sonnencreme dabei. Vielleicht sehen das manche als Luxus, aber ich mag meine Haut halt, also. Das ist mir wichtig.

Was hast du eingepackt und was hattest du auf dem Bike an?

Mein Mindset lag irgendwo zwischen: Ich weiss, wie viel Komfort ich mindestens brauche, und ich will so leicht wie möglich unterwegs sein. Ich habe kurz überlegt, gar keinen Biwaksack mitzunehmen, bin aber richtig froh, dass ich’s doch getan habe, weil es nachts echt kalt war. Mein Schlaf-Setup bestand aus einem Biwaksack ohne Bügel (den habe ich rausgenommen), einer Schlafmatte und einem leichten Schlafsack. Es war ziemlich frisch, und ich wusste nicht genau, auf welcher Höhe ich schlafen würde, also hatte ich zusätzlich noch einen Seidenliner dabei, weil mein Schlafsack nicht superwarm war.

Klamottenmässig: ja, wirklich nicht viel. Ganz ehrlich nur ein Wechseloberteil für die Nacht und noch ein zusätzliches Paar Socken. Alle Layers auf dem Bike kamen von Mons Royale. Ich hatte dieses Icon Tee dabei, das nachts meine gemütlich-warme Schicht war und in dem ich auch geschlafen habe. Die Diversion Trail-Bikeshorts, zwei Epic Merino Bike Liner, Merino-Socken und ein Diversion Merino Bike Jersey, in dem ich gefahren bin – vor allem morgens. Und schon bald hast du bis aufs Breezer Hemd runtergeschält, was mit den Knöpfen ziemlich nice war, weil du es einfach aufreissen konntest und etwas Luft an den Bauch kam.

Izzie Thompson gear laid out for the Reset Brevet

Izzie Thompson bikepacking clothing laid out for the Reset Brevet

Gab es beim Packen irgendwelche Herausforderungen?

Ich glaube, am nervösesten war ich beim Thema Essen – also ob ich es schaffe, jeden Tag genug zu essen. Das ist nämlich nicht besonders angenehm. Auch das Nachkaufen unterwegs: Ich wusste echt nicht, wann ich in die Orte rollen würde und ob die Läden dann überhaupt noch offen sind und solche Sachen. Mehrere Tage Essen von Anfang an auf dem Bike mitzuschleppen, machst du auf keinen Fall. Du willst so wenig wie möglich dabeihaben, mit einem winzigen Puffer.

Deine erste Wahl an Snacks auf dem Trail?

Meine Snacks der Wahl waren Peanut Bumper Bars, saure Gummis, Essiggurken, Bananen, One Square Meals sowie Wraps mit Salami und Käse. Wobei ich viel zu viele Bumper Bars kurz nacheinander gegessen habe und gelernt habe, dass sie so gut schmecken, weil die dritte Zutat Butter ist. Das liegt schon ziemlich schwer im Magen. Wobei ich eigentlich gelernt habe, dass dauerhaft essen generell einfach hart ist – egal, was du isst.

Hattest du etwas dabei, das Leute überraschen könnte?

Eine grosse Flasche Kuhmilch. Nach einem richtig langen Tag auf dem Bike oder zu Fuss hat man oft nicht sofort Hunger, aber man hat das Gefühl, dem Körper trotzdem etwas zurückgeben zu müssen – und Schoggimilch geht einfach immer runter wie nichts. Recovery, Dessert, Genuss. Das ist ja wohl wirklich das Mindeste, was ich verdient habe.

Izzie Thompson snacks list laid out for the Reset Brevet ride through Central Otago

Izzie Thompson holding a jar of pickles

Was waren die Highlights der Tour?

Ein paar besondere Momente waren die Fahrten bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, wenn du ganz allein irgendwo an einem See oder Fluss bist oder weit oben stehst und dir brutal kalt ist. Aber dafür: irre Himmel. An einem Morgen bin ich direkt in den Sonnenaufgang gefahren, auf dieser Strasse, und da war eine ganze Gruppe Milchkühe, die offensichtlich gerade gemolken worden waren. Eine nach der anderen trotteten sie auf ihrem kleinen Kuhweg zurück auf die Weide, und ich habe das Gefühl, wir hatten kurz einen Moment. Das war richtig schön.

Izzie Thompson riding through Central Otago on the Reset Brevet

Hast du dein Limit gefunden?

Ich glaube, bis zu einem gewissen Grad schon. Am Morgen des vierten Tages war ich oben auf der Serpentine Range. Ich hatte in dieser gruseligen alten, verfallenen Kirche geschlafen – zum Glück, denn als ich am Morgen rausging, lag überall dicker Frost. Draussen wäre ich komplett durchgefroren. Das war ein richtig, richtig kalter Morgen, und es war schwer, wieder warm zu werden. Ich hatte etwa drei Viertel der Distanz hinter mir, also wusste ich, dass ich es an dem Tag schaffen würde, aber aus irgendeinem Grund fühlte es sich weniger machbar an als am Tag davor.

Ich kam nach Omakau runter und sass dort in einem Café, wo ich versuchte, mir ein Sandwich und Chips reinzuzwingen – und es fiel mir richtig schwer. Dann rief meine Schwester an und ich musste weinen. Das war mein erstes Mal heulen, und sie meinte nur: Du musst das nicht machen. Und ich so: Ich weiss, dass ich das nicht muss. Aber ich will irgendwie schon. Wenn du so platt bist, kannst du einfach nicht mehr richtig denken. Obwohl es körperlich und mental brutal anstrengend war, im Rennen weiterzumachen, fühlte es sich aus irgendeinem Grund einfacher oder gedankenloser an, einfach wieder aufs Bike zu steigen und weiterzufahren.

Einer der härtesten Momente war tatsächlich die Querung der Maniototo Plain. Da gab es einen langen Abschnitt auf der Hauptstrasse, den wir fahren mussten. Ich würde sagen etwa 60 km, also schon ein ordentliches Stück. Schnurgerade, topfeben, und ich hatte diesen brutalen Gegenwind – ich glaube, es waren etwa 80 km/h. Ohne Pause. Mental ist das ziemlich hart, weil du auf deinen kleinen Computer schaust, der dir deine Geschwindigkeit zeigt, und du weisst einfach: Ohne Wind könnte ich mit kaum mehr Aufwand doppelt so schnell fahren – stattdessen kriechst du einfach vor dich hin. Ja, das war richtig übel. Und am letzten Tag dasselbe auf dem Schlussstück von Tarras zurück nach Wānaka. Der klassische Nordwestwind war natürlich da, wie immer.

Izzie Thompson riding toward the finish of the Reset Brevet in Central Otago

Hast du unterwegs irgendetwas gehört, während du gefahren bist?

Ich habe mir ziemlich trockene Sachen angehört, um mich davon abzulenken, was ich da gerade mache. Podcasts über globale Finanzen und Kryptowährungen. Ausserdem einen Haufen meiner Lieblingssongs – und ich habe auch dabei geweint. Wahrscheinlich Angie McMahons Album Light Dark Light Again, weil ich sie liebe. Irgendeine Art Rap oder Grime lief sicher auch, das hilft mir ebenfalls.

Und jetzt die grosse Frage: Würdest du es wieder machen?

Kommt drauf an, wann du mich fragst. Mittendrin und direkt danach hätte ich ziemlich sicher gesagt: auf gar keinen Fall. Aber die Zeit heilt bekanntlich fast alles, und man vergisst auch ein bisschen, also würde ich es wahrscheinlich schon wieder machen.

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